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Shiezvester

Shiezvester (auch Pulvernacht oder im Volksmund „Big Bang“) ist das lauteste Fest im gesamten Outer West. Es markiert den Beginn des neuen Jahres und feiert zugleich die Gabe des Shiezpulvers, das – laut Überlieferung – vom Guten Mann, Trapper Snake, selbst an die ersten Siedler überbracht wurde.

Heute ist Shiezvester ein wilder, ausgelassener Feiertag voller Musik, Feuerwerk, Tanz und Trunkenheit – ein Fest, das selbst die Prediger kaum nüchtern überstehen.

Ursprung

Der Legende nach erschien Trapper Snake, der Gute Mann, eines Nachts in den frühen Tagen der Kolonisation.
Ganz in Schwarz gekleidet, mit zwei silbernen Revolvern an der Hüfte, ritt er in das Lager der Erstsiedler. Die Männer froren, das Feuer drohte zu verlöschen, und in der Dunkelheit kroch schon Verzweiflung durch die Reihen.

Da stellte Snake ein kleines Fass auf den Boden und sagte mit einem Lächeln:

„Ihr braucht Feuer, das nicht stirbt, wenn’s dunkel wird. Aber passt auf – es frisst, was’s liebt.“

Als sie das Fass öffneten, schoss eine Flamme gen Himmel, die die Nacht zum Tag machte und den Himmel in Farben tauchte, die nie wieder gesehen wurden. Die Leute tanzten bis der Schnee schmolz.
Von diesem Moment an war das Shiezpulver ein Symbol für Erleuchtung, Macht und Gefahr – ein göttliches Geschenk, das ebenso segnen wie vernichten konnte.

Zur Erinnerung an jene Nacht feiern die Menschen des Outer West jedes Jahr das Shiezvester, das Fest des Lichts im Angesicht des Dunkels des Winters.

 

Bräuche und Feiern

Shiezvester beginnt am letzten Abend des Jahres und dauert bis zum Morgengrauen des neuen. Es wird mit Lärm, Feuer, Musik und bunten Getränken gefeiert – eine Mischung aus religiöser Ehrfurcht und hemmungslosem Übermut.

 

Die Glocke von Capital City

Kurz vor Mitternacht wird es still.
Aus allen Saloons, Lagern und Feldern schweigt der Jubel, denn über die Weiten des Outer West hallt der Klang der großen Glocke vom Dom in Capital City.
Ein einziger, tiefer Ton, der bis in die Sümpfe von New Bordeaux und die Gipfel der Shiez Mountains dringt.
Alle halten inne, stoßen an, oder neigen den Kopf – für viele das einzige stille Gebet des Jahres.

Dann, wenn der Nachhall der Glocke verklingt, bricht die Stille wie Pulver:
der Himmel explodiert in Feuer, Lachen, Schüssen und Jubel. So beginnt das neue Jahr im Outer West.

 

Feuerwerk und Knallerei

Überall wird gezündet, geschossen und geknallt – von der feinsten Gesellschaft in Eastgate bis zu den Viehtreibern in den Dakotas.

Die Feuerwerke gelten als „Ruf des Guten Mannes“. Jede Explosion soll ihn an sein Versprechen erinnern, die Dunkelheit fernzuhalten – sofern die Menschen den Mut behalten, das Feuer selbst zu entfachen. In größeren Städten wie Capital City, New Bordeaux und Eureka werden monumentale Feuerwerke gezündet; in kleineren Siedlungen entzündet man Pulverkreise und ruft dabei Snakes Namen in den Wind.

 

Die Sache mit den Briefkästen

Im Süden und besonders auch in Exilo hat sich eine ganz eigene Tradition gehalten.
Um sich und andere vor schlechten Nachrichten im neuen Jahr zu schützen,
jagt man in der Shiezvesternacht traditionell den Briefkasten des Nachbarn in die Luft.
Die Leute nennen das scherzhaft „Chester’s Gnade“ –
nach einem alten Postreiter, der angeblich der Erste war, dessen Briefe sich selbst in Rauch auflösten.
Man sagt, wer keinen Briefkasten mehr hat, kann keine schlechten Neuigkeiten empfangen.

„So können einen die bösen Nachrichten nicht mehr finden,“
heißt es lachend – bevor der nächste Knall die Nacht zerreißt.

 

Der Tanz der Glimmröcke

Das Herz jeder Feier ist der Tanz der Glimmröcke – ein ausgelassener, wilder Gruppentanz, der an den Cancan erinnert. Er entstand angeblich in den Schankhäusern von New Bordeaux, wo die Tänzerinnen bunte Röcke trugen, deren Säume mit Funkenpulver bestäubt waren.
Bei jedem Tritt sprühten Lichtblitze, und das Publikum jubelte, während Musiker auf Sporen, Blecheimern und Fiedeln spielten.

Heute tanzt ihn fast jeder – Männer, Frauen, Kinder, Betrunkene, Priester –, oft barfuß, mit flatternden Schals und erhobenen Bechern. Hoch, hoch, hoch das Bein!

 

Getränke und Kulinarik

Die Feste sind bekannt für ihre bunt gefärbten Drinks, die sogenannten Pulverbecher. Am beliebtesten ist der „Blue Shiez“, ein schimmernd blauer Trunk, der in der Dunkelheit schwach leuchtet – zu Ehren des blauen Feuers, das Snake den Siedlern zuerst gezeigt haben soll.

In manchen Regionen wird ein Gericht namens „Snakes Segen“ serviert: gebackenes Fleisch in höllisch scharfer Soße, welches beim Servieren flambiert wird – ein symbolisches Opfer an den Spender des Feuers.

 

Heutige Bedeutung

Shiezvester ist längst mehr als ein Neujahrsfest.
Es ist ein Aufschrei gegen die Kälte, ein Rausch aus Lärm, Licht und Staub.
Ein Tag, an dem jeder gleich ist – Prediger, Prospektor, Trapper oder Taugenichts.
Ein Tag, an dem der Outer West sich selbst feiert: laut, rußig und voller Leben.

Man sagt, wer in der Shiezvesternacht nicht tanzt, läuft Gefahr, dass der Gute Mann ihm das Feuer nimmt – oder, schlimmer noch, den Mut.

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