< Zurück
Drucken

Outer West Bibel – Teil 1 – 3. Buch: MAKAZANZAN

I Eins mit dem Manitu

Sieben Tage, nach dem Nagi Tanka jene niedergerungen hatte, die sich vom Manitoba abgewandt hatten, kam er aus der Hütte heraus in die er sich zum Trauern zurückgezogen hatte. Lange hatte er tief versunken gesessen und aus einem Herdfeuer in der Mitte seiner Hütte gelesen, was Kiitchi-Mainitu ihm auftragen wollte. Die Frauen waren gekommen und hatten ihn jeden Tag gesalbt und ihm Wasser und heilige Speisen gebracht. Nagi Tanka hatte sie dem Feuer übergeben und das Wasser in den Boden sickern lassen. Als seine Mutter dies hörte, ging sie zu ihm und äußerte ihre Besorgnis darüber, dass er nichts aß und trank. Da erhob er zum ersten Mal seine Stimme in diesen Tagen, und sie klang sanft und stark zugleich:

„Mutter, ich sitze hier fünffach vor Dir und ich bin durch Manitu aller Existenz bewusst geworden. Du wunderst dich, doch jeder von uns hat fünf Körper, die er bewohnt. Dieser Körper aus Erde, aus Fleisch ist der Erste, und der Erste, den du siehst, den du auf die Welt gebracht hast. Es ist auch der Körper, der noch fernen Tages verraten, vergiftet und gemordet wird. Jeder Körper muss vergehen. Zur Geburt wird uns das Versprechen unseres Todes gegeben. Zugleich bewohne ich meinen Geistkörper, der mein Wissen und meine Weisheit, Erfahrung und Dinge des Geistes umfängt. Mit diesem Körper bin ich in der Lage, durch die Zeit zu reisen, in die Tage, die da kommen, zu denken und die Tage, die schon waren, zu erinnern. Mein dritter Körper ist mein Manitukörper, es ist der Große Geist in mir und ich im großen Geist. Ein Jeder hat einen Manitukörper, die Kunst ist es, ihn zu bewohnen. Und weil der Manitu eins ist, sind alle Manitukörper eins und verbunden. Und weil wir alle eins sind im großen Geist, so wie er in uns, sind wir alle Teil des Manitoba, denn dieser ist der Geistkörper des Kiitchi-Manitu, der alles vorgedacht und erinnert, der alles hervorgebracht und alles vernichtet hat, was war, ist und wird. Mein vierter Körper ist mein Tatenkörper und dieser erstreckt sich hin bis zum Ursprung des Vers, der Allwelt, aller Welten, das was Alles ist und in dem Alles ist. Mein Tatenkörper erstreckt sich auch hin bis zum Ende des Vers, denn alles was ich tue wird seine Auswirkung haben bis der Manitoba alles gedacht und vollbracht hat was es zu denken gibt. Und wenn in fernen Tagen einer etwas tut, der mich nie getroffen hat, aber auch nur von den Taten eines bewegt wurde, der einst nur von meinen Taten hörte, auch wenn er nicht wusste, dass es meine Taten waren, der wird meinen Tatenkörper berühren und Teil von ihm sein. Mein fünfter Körper ist das Vers, mein Allkörper. Alles was ist. Denn nichts existiert ohne das Andere, sonst wäre Alles nicht Alles. Wir sind wie Wellen auf dem Ozean, die Welle entsteht und vergeht, doch bleibt sie alle Zeit Teil des Ozeans, und der Ozean ist Teil von ihr, sonst wäre sie keine Welle. Und wer stirbt bleibt immer Teil des Ganzen und war es schon immer noch bevor sein Erdkörper geboren war. Wir alle und alles was ist wird seine Rolle spielen, bis nichts mehr übrig ist, dass noch geschehen muss. Mutter, höre, es gibt aber keinen Unterschied zwischen all meinen Körpern. Sie sind alle wahr und gänzlich Nagi Tanka, und Nagi Tanka ist erst vollständig, wenn er alle fünf Körper gänzlich bewohnt. Ich bin Nagi Tanka und ich bin eins.“

Da fiel Misha auf die Knie und drückte ihre Stirn auf die Erde, und sie erkannte, dass Nagi Tanka erleuchtet war vom Manitu und sie ging hinaus und versuchte den anderen zu erklären, was ihr mitgeteilt wurde. Und sie wusste nun, sie war jetzt auch Nagi Tanka, den er sprach in ihren Worten.

Später kam auch Dakota Snake zum dem sitzenden Nagi Tanka. Er empfing dieselben Worte, und er begriff sie sofort. „Wir hätten unser Blut nicht einmal vermischen müssen.“, sagte er. „Denn wir sind schon eins. Wir sind alle Seiten einer unendlich-seitigen Münze. Wir sind alle Punkte auf einer Kreislinie, jeder einzelne ist nichts. Denn ein Punkt ist nichts. Doch im Kreis sind wir alle und unendlich.“

Da nickte Nagi Tanka, denn er sah, dass sein Bruder es verstanden hatte, auch wenn er die andere Seite der Sprache und Begriffe benutze. Sie waren wie Guter Geist und Böser Geist, und sie vervollständigten den Manitoba aneinander. Dies sah Nagi Taka, und Dakota Snake wusste es schon in seinem geheimnisvollen Geist, und sprach weiter:

„Wenn ich jemanden töte, endet ein Teil seiner Existenz, aber niemals kann etwas endgültig zerstört werden. Die Dinge wandeln sich nur um. Aus Taten werden Anlässe, die zu neuen Taten führen, bis alles getan ist. Aus dem Helden wird im Tode eine Legende, die neue Helden hervorbringen kann. Aus dem Gehängten ein Mahnmal. Aus dem Tierwesen eine Mahlzeit. Die Wärme des Körpers meines erlegten Feindes kann irgendwann in der Wärme meiner wunderschönen Frau wieder zu mir kommen, weil das Feuer seines mit seiner eigenen Kraft gebauten Hauses das Antlitz meiner Liebsten gewärmt hat. Es umfängt wirklich alles, Nagi Tanka, und alles hat sich selbst inne.“

Und Nagi Tanka nickte, auch wenn er wusste, dass die Worte Dakotas den Kern der Sache von ganz anderer Seite beleuchteten. Aber sie waren ebenso richtig und ebenso Teil des Manitoba, und sie waren wahr.

Als Nagi Tanka seine Hütte verließ, begab er sich auf einen Hügel, auf dem Zypressen wuchsen und setzte sich zwischen ihre Schatten. Dort lehrte er den Ishi´hosh noch einmal, was er erkannt hatte und er erklärte ihnen, was er vorhatte. Dann sandte er einige von ihnen aus, um dies zu den anderen Stämmen zu tragen, wie einer der seine Worte in alle Winde ruft, dass alle sie hören sollen. Und sie gingen fort und brachten die Worte Nagi Tankas zu den anderen Stämmen.

II Die Erschaffung von Makazanzan

Zum Großen Geistertanz waren Häuptlinge, Stammesmütter, Medizinmänner, heilige Frauen und Männer, Krieger und Kriegerinnen aller Stämme angereist, die sich Nagi Tanka anschließen wollten, ein neues Leben in neuen Jagdgründen zu führen, abseits der Orte welche von den Machenschaften der Weißen krank geworden waren.

Es war die Mitte des Jahres, und die Mitte des Tages. Da zeigte Nagi Tanka auf den Mond und die Sonne, und sie sagten ihm, jetzt sei die Zeit, hier sei der Ort. Dakota Snake nahm das Wort: “Was geschieht jetzt, mein Bruder?” Und Nagi Tanka erklärte ihm und allen anderen Kindern Ina Makas, was passieren würde.

Er, Nagi Tanka, erschafft mit ihnen eine kleine, neue Welt, zwischen den Welten. 100 Horizonte weit und breit. Er nimmt Teile, welche schon sind aus der alten Welt, und verbindet sie mit seinen Banden, die wie Metall und Stein den Boden durchziehen. An ihnen wächst die Welt zusammen und blüht auf. Mitgenommen sind die Dörfer und Siedlungen der Stämme, heilige Berge und Flüsse. Tiere und Himmel und Wetter. Und entstehen werden neue Dinge. Berge und Täler, Pflanzen und Tiere. Da werden sein Orte, und Dinge, Tiere und Berge, Sterne und Höhlen, Wege und Wälder, die noch nie einer gesehen hat. Die Geister der Ahnen werden dort einziehen. Leben und Tot werden ihren Platz haben. Dinge, die sein müssen, aber nicht sind, wird Nagi Tanka selbst errichten, Berge aufwerfen und Seen ausheben, Vögel an den Himmel setzen. Dinge, die geheim sein müssen, wird sein Blutsbruder verstecken bis sie ans Licht kommen sollen. Und, Dakota Snake wird all jene aus den Orten vertreiben, welche mit in die neue Welt geholt wurden, die keine Kinder Ina Makas sind und nicht dem Manitoba folgen. Ihrer sei er Wegweiser, Richter und auch Henker, wenn es sein müsse. Dann würde Nagi Tanka die Nebel, die zwischen den Welten liegen, um das neue Land legen damit es verborgen und sicher sei. Den diese seien undurchdringlich, wenn man nicht die Wege kenne und diese seien den Menschen verborgen.

Und so geschah alles, und es waren Tage und Nächte voller Wunder. Und sie alle zu beschreiben würde viele Bände füllen. In den Kindern Ina Makas lebt die Erinnerung fort, tief in dem Gefühl der Liebe zu ihrer Welt. Viele Rollen und Bücher mag man mit den Wundern der Tage der Erschaffung füllen können. Doch passt ihr ganzes Wesen auf die grünen Seiten eines einzelnen Halmes Gras in der Prärie. Den jedes Ding in der neuen Welt trägt alles in sich und ist Teil von allem, wie Nagi Tanka es arrangiert hat, in Kiitchi-Manitu.

“Schau her, mein Freund, sie ist wie unsere Mutter Ina Maka und sie ist Ina Maka. Eine Welt in der Welt, doch eine eigene Welt. Ein Claim den keiner betreten kann. Eine Schildkröte in der Schildkröte. Kommt von Ina Maka und ist ein Teil Ina Makas und ist Ina Maka. Makazanzan. Sie liegt im äußersten Westen.”

Und, Nagi Tanka wusste das in Ganzheit auch immer alles sein muss, und nichts alleine existiert, außer eben Alles, doch neben diesem gibt es nichts. Er kannte vieles was kommen musste, und wusste das die Welt erst erschaffen ist, wenn alles getan ist und sie endet. Und Dakota Snake wusste das auch.

III Die Zauberei

Als Nagi Tanka Makazanzan unter das Licht der Sonne, des Mondes und der Sterne gelegt und mit dem Nebel aus der Weite umzäunt hatte, sprach er zu seinem Blutsbruder Dakota Snake: Nun ist es noch einmal Zeit für dich, ans Werk zu gehen Schlangenfreund, mein Bruder. Mir träumt, dass wir allen Kindern Ina Makas die Kraft des Manitu zum Werkzeug geben. So, dass sie es gebrauchen können, wie den Pflug, das Beil, wie den Bogen, die Heilkräuter, wie das Feuer und das Kanu. Du, mein Bruder weißt was zu tun ist, und er hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn. Und Dakota wusste, was zu tun ist und mischte seinen eignen Plan in den Plan Nagi Tankas um diesen zu vollenden.

Noch zur Stunde ging Dakota Snake gen Osten davon, und wer ihm begegnete, dem sagte er, sein Name sei Wanderer. Da beschaute er sich die Welt und all das Leben und er sah Pflanzen und Vögel und Dinge, die noch keiner zuvor betrachtet hatte. Im fernsten Osten stach er mit seinem Messer in den Nebel und sprach, hier wird mein Tor stehen. Wieso hast du das getan, fragte ihn der Bär da. Und er drehte sich zu ihm um und sagte, “Dummer alter Bär, siehst du den nicht was vor uns liegt?” Der Bär schaute in die Trübe und erwiderte “Nebel?” Und Wanderer nickte, “Recht hast du. Sag, mein Freund Mahto, wie wird man so groß und stark wie du?”

Da erzählte dieser ihm von den fliegenden Wesen, die für ihn den Blütenstaub sammelten und zu Honig machten. Er sagte Dakota Snake auch, wo das Haus der fliegenden Pünktchen sei, es sei ja immer genug Honig da, er solle sich ruhig bedienen. Der Wanderer dankte Bär und ging dort hin. Am Haus der Fleißigen angekommen, hoben diese sofort an, mit ihren dünnen Stimmen zu zetern und zu schimpfen. Sie wollten ihn verjagen und stürmten auf ihn ein, doch hatten sie keine Waffen, um ihn zu verletzen. Da bot er den kleinen Wesen seine Pfeife an und schloss Frieden mit ihnen. Nun klagten sie ihm ihr Leid. Jeder würde ihnen ihren hart erarbeiteten Honig stehlen und sie könnten sich nicht erwehren. Da machte Dakota Snake ihnen ein Angebot und nannte sie Bienen. Für ein wenig ihres Honigs, ein wenig ihres Wachs, würde er ihnen eine Waffe geben, um sich zu wehren. Und die Bienen willigten ein. Er aß den Honig und ward stark, und aus dem Wachs rollte er eine Kerze. Dann zog er weiter in den Norden.

Er trank von Quellen, die nie einer vor ihm gekostet hatte. Er wirbelte Staub auf, den nie ein Fuß durchschritten hatte. Er ging Wege, die vorher keine waren. Er bestieg Berge und durchwanderte Täler, die nie zuvor ein Wanderer erreicht hatte. Er sah Tiere und Pflanzen, die nie zuvor einer gesehen hatte. Und vielen Dingen gab er ihre Namen, auf seinem Weg.

Im Norden lagen die größten Berge, die Nagi Tanka aufgeworfen hatte, als er Makazanzan erschaffen hatte. In die Flanke des Härtesten stieß der weiße Mann sein Messer und sprach: “Auch hier wird ein Tor sein” Dann grub er sich tief in den Leib des Berges. Und zwischen seinen Knochen und den Banden, die Nagi Tanka benutzt hat, um das Land zusammen zu fügen, fand er dessen Herz, einen roten Diamanten, dem Herz eines Menschen verwandt, doch viel, viel härter. Als er wieder unter dem Himmel des Nordens stand, pisste Dakota Snake einen goldenen Strahl in das herzlose Massiv. Auf das die Goldsucher den Weg alsbald finden würden, den er ihnen eröffnet hatte. dann wand er sich nach Westen.

Im äußersten Westen kam er an die Küste des Meeres, das keine westlichere Küste hat. Doch zuvor durchquerte er ein fruchtbares Hügelland. Dort traf er auf einen Löwen. Dieser war hungrig und wollte ihn fressen. Da wies der Wanderer darauf hin, dass er ebenso hungrig sei, und er doch lieber ein Spiel wagen wollte. Dort auf dem Hügel weide ein neues Tier, das ganz herrlich schmecke. Der Löwe solle sich nur einmal die Muskeln anschauen, welche unter dem glänzenden Fell bei jedem Schritt geschmeidig tanzen. Da lief dem Löwen das Wasser im Maul zusammen und auch Dakota Snake zeigte seine Reißzähne, die vor Geifer trieften. Man wolle einen Wettbewerb ausfechten. Man jage gemeinsam nach dem schönen Tier, doch der, welcher es niederbringt, soll sich vor den Augen des anderen sattfressen, bevor dieser an der Reihe sei. Eine vergnügliche Hatz, die Chance auf etwas Ruhm und im schlimmsten Fall würde er auch noch genug abbekommen, wenn der Wanderer sich satt gefressen hatte. Der Löwe wog dies ab und willigte ein. Da sprangen sie beide vor und durch das hohe Gras auf das schöne Tier zu. Der Löwe war weit vorne und freute sich, denn er würde in wenigen Sätzen die Kehle des schönen Tieres reißen. Während des letzten Sprungs biss ihm etwas so heftig in die Seite, dass er haltlos und unter Schmerzen auf den Boden krachte, wo eben noch das schöne Tier gestanden hatte, das aufgeregt in einem Bogen davongestoben war. Dakota Snake war aus dem hohen Gras aufgesprungen und hatte den Löwen mit einem Schuss niedergestreckt. Als er neben den Löwen trat, flüsterte er ihm noch etwas zu, und schoss ihm in den Kopf. Dann steckte er die Waffen weg und hob die Arme in freundlicher Geste, die Hände offen, das Haupt gesenkt, den Leib zurück geneigt. “Von mir droht dir keine Gefahr” Das Tier kam näher und bedankte sich beim Wanderer für die Rettung und versprach ihm, ihm zu Diensten zu sein, bis die Schuld aufgewogen sei. Da freute sich Dakota Snake und versprach, dass diese kleine Schuld in Tagen vergolten sei und er wisse schon wie es ihm helfen könne, es solle ihm nur folgen. Da ging das Tier mit ihm. Unterwegs fragte es ihm nach einem Namen, doch der gute Mann gab ihm keinen, das würde wann anders geschehen.

Am Strand des westlichen Ozeans angekommen, sprang Dakota Snake in die See und schwamm hinaus. und jagte eine Herde Wale und erlegte ein junges Tier. Dann prophezeite er dem Rest der Wale ihren nicht mehr fernen Untergang. Doch die Wale verloren darüber nicht ihre Gleichmut, verbitterten nicht, und wollten eben den Rest ihrer Zeit nutzen so gut es ging, und demütig dem Weg des Manitoba folgen wie es ihnen gegeben ist. Das erzürnte den weißen Mann und er zog den Kadaver des Waljungen an Land, fraß sich satt und machte aus dem Tran des Tieren eine weitere Kerze. Dann trat er zu dem Tier mit den langen Beinen und sprach: “Nicht lang hin werden wir wieder an solchen Gestaden stehen, und dann bist du deines Dienstes frei, nun merke dir gut wie wir von hier weg gehen, wenn du dich dort an dies nicht erinnerst, wirst du frei aber verloren sein.” Das Tier nickte mit seinem langen muskulösen Hals und sie schritten davon. Als sie gen Mitte reisten sagte das Tier zu ihm: “Ich könnte dich auch tragen, Wanderer.” Doch er winkte ab und meinte, später werde er darum bitten, dass es ihn neun Tage lang trage, danach wäre es seines Dienste frei. “Das kann ich tun. Und dann,” sprach es “muss ich mich daran erinnern, wie ich mit dir diesen Strand verlassen habe, sonst bin ich frei, aber verloren.” Da nickte der schwarz gekleidete Mann und sie gingen weiter.

Sie rasteten unter einem Baum am Wegesrand nahe der Siedlung eines Stammes der Kinder Ina Makas. Sie lag hinter einem Hügel. Da kam ein niedergeschlagener Mann mit einem Spaten des Weges. Dakota begrüßte ihn freundlich und hört sich seine Klagen an. Da bot er ihm an, von seinem Wasser zu trinken. Es brenne in der Kehle, aber es trockne damit dem Sumpf der Sorgen aus. Er solle nur vorsichtig sein und nicht zu viel davon nehmen. Der Mann beendete seine Arbeit und ging beschwingt nach Hause. Der Wanderer hatte ihm seine Flasche geschenkt und sah ihm lächelnd nach. Nachts sahen der Wanderer und das Tier lohenden Schein hinter dem Hügel aufleuchten, als antworte dieser dem kleinen Lagerfeuer, an dem sie lagen. Als sie am nächsten Tag am der Siedlung vorbeikamen, war alles in Asche zerfallen, verbrannt und lag schwelend unter der Morgensonne. Da zog Dakota Snake den schwarz gewordenen Spaten aus der Asche. er war immer noch gut zu verwenden, da schulterte er ihn und sie gingen weiter. “Soll ich alles, was du mitnimmst ebenfalls tragen, die neun Tage, die da kommen werden?”, fragte das Tier, dem die zottigen Haare vom Kopf den Hals hinunter wallen. “Ja.”, sagte Dakota zu ihm, aber er würde zuvor eine Decke knüpfen mit Taschen und Schlaufen, welche sich das Tier überwerfen könne, die seinen starken Rücken schonen solle und an die man allerlei hängen und verstauen könne. Aber es sei nicht mehr viel was sie benötigen würden.

Da wandten sie sich gen Süden und kamen, nach ein paar Tagen, in ein nebliges Moor. Dort saßen im Dunst die Geister derer, die dort bereits ihren Tod gefunden hatten und es waren nicht zu wenige. „Sieh, mein hornzehiger Freund,“ sagte der Gute Mann zu dem Tier, „hierhin verschlägt es jene, die den Tod suchen, oder denen der Manitoba diesen Weg vorgeschrieben hat. Hier residiert ihre fahle Ladieschaft und hält Hof mit den Schatten und Gespenstern. Darum folge nur meinen Tritten und weiche nicht vom Weg dessen, der die Pfade der Trauer und der Vernichtung kennt, wie kein anderer.“ und das Tier wieherte zustimmend. So sass dort eine verlorene Seele unter einem faulenden Baum und blickte über einen rinsäligen Bach. Von der anderen Seite sah sie einen bleichen Mann kommen, und das Tier folgte ihm.

„Ho Jepediah. Ungeschickt ist dein Los. Gerade dich alten Friedhofswächter und Guhlvertreiber hätte ich hier nicht erwartet anzutreffen.“ Doch die Worte des Wanderers waren nur dem Schein nach heil und freundlich. Den er selbst hatte den rätlichen Wächter des Totenackers in die trostlosen Hallen Morsmaries gelotst. Auch wenn es diesem nicht klar sein konnte, wessen guhlische Totenschänder ihn in die Totmarschen getrieben hatten. Wahrlich auf Nagi Tankas Gebot hin. Hatte dieser doch befohlen, am Tag als Makazanzan erschaffen wurde, dass Dakota Snake alle Weißen des Landes verweisen sollte. Doch hatte der Geistertänzer nicht gesagt, auf welche Weise dies passieren sollte. Also trieben gemeine, fleischlüsterne Leichenbeißer den Wärter des Friedhofs in das Moor, wo er jämmerlich im Angesicht Makazanzans in die Tiefe sank. Beileid bekundete der Wanderer dem verlorenen Schatten, als dieser ihm die Geschichte erzählte, und fragte diesen, ob er ihm Erleichterung verschaffen könnte. Da erzählte der Jepediah Dakota von seinem Kreuz von Ebenholz, welches er für sein eigenes Grab gefertigt hatte. Es liege in der Hütte nah des Friedhofshügels, den er bewacht hatte. Wenn dieses Kreuz sein feuchtes Grab schmücken würde, wäre seinem Geist sicher leichter. Vielleicht könne er sogar diesem Ort entschwinden. Da sicherte ihm der Gute Mann zu, sein Kreuz zu besorgen und es das rechte Grab schmücken zu lassen. Daraufhin gingen der bleiche Mann und das Tier ihres Weges. Denn Jepediah sollte doch niemals Erleichterung wiederfahren, denn das rechte Grab sollte nicht das seine sein und Dakota Snake und das treue Tier gingen zu seiner Hütte, holten das schwarze Kreuz und gingen tiefer in den Süden und Regen setzte ein und begleitete sie Tage lang, bis zum Saum der Wüste.

Am Saum der Wüste flocht der weiße Mann dem Tier eine Decke für seinen Rücken, an die er alles hängte, was sie für die Reise brauchten, die Kerzen, den Spaten, das Kreuz und den roten Diamanten, etwas Proviant und Wasser. Dann aßen sie sich satt, das Tier neigte den Kopf zum Gras und fraß es. Dakota erlegte ein Kaninchen und verputzte es mit Haut und Haaren, ja er schluckte es am Stück. Dann soffen sie sich voll Wasser aus den Pfützen und Tümpeln, die der Regen volllaufen ließ.

Nun wolle er sich tragen lassen, sagte der Wanderer, und das Tier ließ ihn auf seinen Rücken steigen und sie gingen in die Wüste. Den Regen ließen sie hinter sich. Das erste, dem Dakota Snake gewahr wurde, war eine summende Fliege, die um sie herum kreiste. Doch er wusste, was ihr Schicksal war und lies sie kreisen bis sie vertrocknet und unter einem Himmel ohne Wolken tot in den Staub fiel. Die Hitze war heiß und der Boden war trocken. Doch die Luft flirrte und war voller Geräusche. Al Asif nennen die Beduinen ferner Länder das Summen der Dämonen in der Wüste, erklärte Dakota Snake dem starken Tier, welches ihn trug:

„Doch fürchte dich nicht, mein Freund, ich habe schon viele Wüsten bereist, und schon damals war mein zweiter Name die Gefahr. Ich habe Iram und Ubar besucht, und die Stadt ohne Namen. In den tiefen Gobis besuchte ich das Haus eines totlosen Schlitzauges und lernte seine Kunst. Ich diente am Hof von Kheph und Nito, und da war mein Name meinem heutigen ganz ähnlich, denn ich war der welcher in Frieden kommt. Und ich schmückte die Wüste mit meinen Werken. Man verehrte mich als Heilsbringer. Ich sage es nochmal, mein Freund, fürchte dich nicht, denn ich bin der beste Mann, mit dem es dich in die Wüste verschlagen könnte.“

Das Tier, welches noch immer keinen Namen hatte, trug ihn durch die Wüste. Und es fühlte sich gut an aus dem Regen heraus zu sein. Die Wüste, welche alle Namen obsolet mach, die sie vergessen macht. Den dort ist niemand, den dein Name interessiert. Und niemand der dir weh tut.
Am zweiten Tag unter der Wüstensonne wurde die Haut Dakota Snakes rot wie die seines Blutsbruders.
Am dritten Tag kamen sie an ein trockenes Flussbett, und es erzählte die Geschichte eines Flusses, der gestorben war, weil er in die Wüste gegangen sei und so niemals seine Mündung erreichen würde. Das machte das Tier traurig. Doch Dakota sagte ihm, es solle sich nicht grämen. Wäre der Fluss damals mit ihm in die Wüste gezogen, hätte er das Meer erreicht. Und sie erreichten das Meer, nach neun Tagen.

Da ließ der Wanderer das erschöpfte Tier frei. „Sieh, das Meer“, sagte Dakota Snake „es ist ebenfalls eine Wüste. Kein Leben, soweit man blickt. An seinem Saum gibt es Pflanzen und Vögel und Dinge, Sand und Hügel und Ringe. Das Meer ist eine Wüste, die ihr Leben unter der Oberfläche verbirgt. Auch im Meer ist Leben, versteckt unter einer perfekten Verkleidung. Wie unter den Städten der Menschen, dort schlägt immer das Herz Ina Makas, doch die Stadtmenschen verstecken sich vor der Natur, die ihre Mutter ist und wollen ihr keine Liebe geben. Sie werden bekommen, was ihnen gebührt, wie alles, was auf Ina Maka wandelt und fliegt und kriecht, denn wir alle sind Teil des Manitoba und in Kiitchi-Manitu. Geh jetzt, Veredus. Pferd, werden sie dich nennen. Du erinnerst dich daran, wie du von hier wegkommst?“
Das Pferd nickte mit seinem langen starken Hals, und Dakota zog ihm die Decke vom Rücken und tätschelte ihm die Flanke. Dann trabte es davon.

Nun nahm der weiße Mann mit der roten Haut den schwarzen Spaten und begann oben am Strand eine Grube auszuheben. Es war die Mitte der Nacht und Aldebaran saß im Westen auf einer verkrüppelten Kiefer wie ein neugieriges Irrlicht. Die Grube war groß genug, dass er darin liegen konnte und sechs Fuß tief. Als er fertig war, bedeckte eingesickertes Wasser den Boden der Grube und er stieg heraus und blickte zurück. Ihm war, als würde ein einzelnes Auge aus dem trüben Wasser zu ihm hinaufschauen und er nickte zufrieden und sprach:

„Iä, Hastur shna hldri´ngä. Mimirsspring from Enki. Enki Meme. Mene mene tekel, Apophisborn, ho mani-toba!“ Dann machte er sich daran alles für sein Opfer vorzubereiten.
„Grenzflächen,“ murmelte er, „es geht darum, Grenzflächen zu nutzen. Halbmond, Träume, Oberflächenspannung, Walpurgisnacht oder wie hier Wasser und Land, Tag und Nacht, Leben und Tot.“

Erklärte er der Welt im Allgemeinen. Er steckte das schwarze Kreuz ans Kopfende der Grube, und machte sie dadurch zum Grab. Rechts davon stellte er die Kerze aus Bienenwachs auf, entzündete sie und sprach.„Höre die Worte des Kiitchi-Manitu, mein Freund, ich sage Dir“. Dann ging er auf die linke Seite und stellte die Kerze aus Waltalk auf, entzündete sie und sprach: „Höre die Worte des Guten Mannes, mein Freund, ich sage Dir“. Dann legte er seine tödlichen Waffen ab, rechter und linker Hand des Grabes. Dann zog er seine Stiefel aus und stellte sie, je einen links und rechts neben das Fußende des Grabes. Den schwarzen Spaten legte er vor das untere Ende. Damit war fast alles vorbereitet.

Das Licht des Tages zog herauf und als die unsichtbare Grenze zwischen Tag und Nacht ihn passierte, er das Licht der großen Mutter im Rücken und den Schatten Ina Makas zu seinen Füßen hatte, nahm er sein Messer in die Linke und schnitt sich die Brust auf. Ein Schnitt, von oben nach unten, einer von links nach rechts. Und er schnitt tief. Und sein Blut nährte die Erde. Und die rote Farbe seiner Haut fiel in Flocken von seinem beinbleichen Antlitz. Dann warf er das Messer über seine linke Schulter in das Grab und griff mit der Rechten in seine offene Brust. Er hielt es in der Hand und besah sich den pulsierenden, feuchten Klumpen. Dann griff er in seine Rocktasche und holte den roten Diamanten hervor und kippte, steif und wie tot, rückwärts in sein Grab. Dort lag er tot, neun Tage und neun Nächte. Ihm wurde jedem Tag, den er tot war, ein Zauberspruch offenbart und nachts kamen die Djinn aus der Wüste und tanzten um sein Grab. Am Ende der letzten Nacht stieg er aus seinem Grab und hatte das Wissen um die Zaubersprüche erlangt, und er sah die Kraft des Manitu überall aus dem Leib Ina Makas sickern.

Dakota Snake steckte sein Herz zurück, gürtete sich mit Messer und seinen Pistolen und zog sich die Stiefel an. Die Kerzen waren soeben abgebrannt und er schütte Sand über ihre Reste. Das Kreuz kippte er in das Grab, das darauf hin in sich einstürzte und nur noch eine feuchte Grube blieb. Das Herz des Berges warf er in die See, auf das die tiefen Wesen es verwahrten. Den Spaten warf er weit in die Wüste hinein. So weit, dass er schon nach wenigen Augenblicken allen Blicken entschwunden war. Dann ging er zurück zu Nagi Tanka und den Kindern Ina Makas, um ihnen Magie zu lehren, wie der große Geistertänzer es geboten hatte. Doch die Meisterschaft in der nützlichsten Kunst behielt der Gute Mann für sich und zu seinem Zwecke. Auch dies war der Manitoba.

Dann kamen die Weißen, und die Vielfarbigen, und Leid, und Krieg.

Nagi Tanka geht heim zum großen Manitu und Makazanzan wird Outer West und Outer West ist die Hölle.

Ende des ersten Teils

War dieser Artikel hilfreich?
0 von 5 Sternen
5 Sterne 0%
4 Sterne 0%
3 Sterne 0%
2 Sterne 0%
1 Sterne 0%
Wie können wir diesen Artikel verbessern?
Please submit the reason for your vote so that we can improve the article.
Previous Outer West Bibel – Teil 1 – 3. Buch – Hörbuch-Video
Inhalt